Lauter glückliche Gesichter in Schollis Dorfladen

Zu sehen ist die ganze Gruppe, die an diesem Tag in Schollis Dorfladen mitgewirkt hat

PHHD-Alumna Christina und ihr Lehrer-Kollege Martin haben mit Jugendlichen einen Odenwälder Dorfladen gegründet – und einen sozialen Treffpunkt geschaffen. Hausfotografin Birgitta berichtet.

Vor-Ort-Termine im Hochschulumfeld sind für mich als PH-Hausfotografin oft etwas ganz Besonderes. Mitzuerleben, wie Menschen verschiedenen Alters und unterschiedlicher Herkunft gemeinsam für eine Sache brennen. Zu dokumentieren, wie Pädagogik nah am Menschen, nah an globalen Bedürfnissen und humanistischen Ideen gelebt wird. Das macht mich froh.

Zu Besuch in Schollis Dorfladen zusammen mit meiner Kollegin Dorothea vom Studierendenmarketing war so ein besonderes Erlebnis. PHHD-Alumna und Lehrkraft Christina Frischholz, ihr Kollege Martin Kohler sowie Mikkeline, Marie, Niklas und Jannis, Schüler:innen der achten Klasse der Realschule Eberbach, haben in dem kleinen Ort Schollbrunn im Odenwald eine Begegnungsstätte auf die Beine gestellt, die weit mehr Möglichkeiten bietet, als Lebensmittel einzukaufen.

Schüler:innen gründen Dorfladen

Dabei war gerade Letzteres ein ganz alltagspraktischer Ausgangspunkt für die gesamte Initiative: In Schollbrunn gab es schon länger keine Möglichkeit mehr, Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Gebrauchs zu kaufen. Alle Geschäfte hatten nach und nach geschlossen, und so blieb den Einwohner:innen nur die Fahrt ins nächstgelegene Einkaufszentrum in Eberbach. Insbesondere für die älteren Mitglieder der Dorfgemeinschaft war das eine große Hürde, die nur mithilfe ihrer Familien oder anderen Unterstützer:innen zu leisten war.

Die Achtklässlerinnen, die selbst Verwandtschaft vor Ort haben oder von hier kommen, haben diesem Zustand ein Ende gesetzt: Gemeinsam mit ihren Lehrkräften, Freund:innen und ihren Familien haben sie im alten Schulgebäude des Orts Schollis Dorfladen ins Leben gerufen. Donnerstag am Nachmittag und Samstag am Vormittag können die Einwohner:innen einkaufen, was sie zum täglichen Leben brauchen. Das schafft Autonomie für die Einheimischen und erhöht die Attraktivität des Landlebens. Das Schüler:innen-Lehrkräfte-Team arbeitet dabei eng mit Betrieben der Region zusammen. Ob Eier und Fleischprodukte, frisch gebackener Kuchen, Mehl, Wurst und Käse, Nudeln, Säfte und andere Getränke sowie weitere haltbare Produkte: Regionalität, Saisonalität und Frische stehen an oberster Stelle.

Nachhaltigkeitsziele alltagsnah umgesetzt

Das kommt nicht von ungefähr. Wie Christina und Martin schon in einem vorherigen Blogbeitrag berichtet haben, ist der Dorfladen Teil einer größeren Initiative der Schule, die die beiden Lehrkräfte initiiert haben. „17+Wir“ wurde als Projektfach eingeführt und hat zum Ziel, alltagsnah Ideen der 17 Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Vereinten Nationen umzusetzen. Es sind dabei die Dreizehn- und Vierzehnjährigen selbst, die durch ihre Initiativen die Welt um sie herum ein kleines Stückchen besser machen wollen. Sie helfen etwa Menschen in schwierigen Lebenslagen, kümmern sich um öffentliche Wasserspender, retten Wildvögel und organisieren ein Fußballturnier gegen Rassismus. Bildungspartnerschaften mit der GELITA AG und anderen Unternehmen vor Ort sorgen für notwendige Förderung; zahlreiche Auszeichnungen beweisen, wie gesellschaftlich hoch angesehen 17+Wir bereits ist.

Projekt mit viel Mehrwert

Lernen fürs Leben: Der Mehrwert des Projekts ist nicht nur für die Nachhaltigkeitsbildung der engagierten Jugendlichen immens. Orientiert am SDG 9 „Industrie, Innovation und Infrastruktur“ planen und organisieren sie die Einkäufe, kümmern sich um die Präsentation der Waren im Dorfladen, stehen hinter dem Verkaufstresen mit viel Kundenkontakt und sind auch für die finanzielle Seite zuständig. Wow: In keinem Schulfach lernt man gleichzeitig so viel über alltägliches Wirtschaften, Umgang mit Geld und nicht zuletzt Kommunikation in heterogenen Gruppen wie bei Scholli. Die Jugendlichen werden dabei aber nicht allein gelassen: Christina Frischholz ist Alumna der Pädagogischen Hochschule Heidelberg; sie bringt wie ihr Kollege Martin Kohler viel didaktisches Know-How mit, die Schüler:innen tatkräftig bei ihrem Projekt zu unterstützen.

Man lernt bei Scholli zudem, Verantwortung für etwas Größeres zu übernehmen, selbst wenn es manchmal ziemlich fordernd und anstrengend ist, sich zweimal die Woche für das ganze Projekt zu engagieren. Das wird mittlerweile über den Odenwald hinaus wahrgenommen: Für die Gründung von „Schollis Dorfladen“ wurde die Realschule Eberbach mit dem Siegel „Wirtschaft praktisch erleben – Aktive Schule“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ausgezeichnet.

Donnerstags sieht man sich bei Scholli!

Auch das unmittelbare Feedback der Menschen vor Ort macht die Achtklässler:innen lebensreifer. Denn über den Einkauf hinaus hat sich der Dorfladen dank seiner Möglichkeit, bei Kaffee und frisch gebackenem Kuchen gemütlich zusammen zu sitzen, zu einem echten sozialen Treffpunkt des Ortes entwickelt. Donnertags sieht man sich bei Scholli! Ob Alt oder Jung, ob Familie oder Freund:innen, es gibt immer was zu erzählen. Das hat sich herumgesprochen, mache Gäste reisen mittlerweile auch aus ferneren Gefilden an.

Auf meinen Fotos sehe ich lauter glückliche Gesichter. Anerkennung in den Augen der Eltern für ihre engagierten Kinder. Enge Verbundenheit der Jugendlichen mit ihren vorbildlichen Lehrkräften. Fröhliche Zugewandtheit der Gäste untereinander. Noch ein Gruppenbild, um das gemeinsame Glück einzufangen, dann packe ich meine Kamera ein und fahre erfüllt nach Hause. Dankbar für meinen Job, der mir solche großartigen Einblicke ermöglicht.

Zur Autorin: Dr. Birgitta Hohenester ist in der Abteilung Presse & Kommunikation für Fotografie und verschiedene Publikationen verantwortlich.

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