Was kommt heraus, wenn die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen auf 31 Schülerinnen und Schüler treffen, die Raum und Lust haben, etwas zu bewegen? Jede Menge!
Wir, Christina und Martin, Lehrkräfte an der Realschule Eberbach, haben uns an unserer Schule dafür eingesetzt, Bildung für nachhaltige Entwicklung noch stärker in den Unterricht einzubringen. Seit dem Schuljahr 2024/2025 gibt es nun das neue Projektfach: 17+Wir. Statt Mathe, Deutsch oder Englisch stehen dort die Ideen der Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt. Die Achtklässlerinnen und Achtklässler bekommen im Unterricht den Freiraum, an den Themen zu arbeiten, für die sie brennen. Sie erhalten die Möglichkeit, Lösungen für aktuelle Herausforderungen zu entwickeln. Planen in der Schule, Umsetzen vor Ort. Als Leitmotiv gilt das Zitat von Rob Siltanen, einem amerikanischen Werbeexperten: „Menschen, die verrückt genug sind zu denken, sie könnten die Welt verändern, sind diejenigen, die es auch tun!“
Zukunftsmutig eigene Ideen umsetzen
Wir haben das Konzept 17+Wir entwickelt, um junge Menschen zu selbstbestimmter gesellschaftlicher Teilhabe zu befähigen und sie zu nachhaltigem und demokratischem Handeln zu ermutigen. Es geht darum, dass sie Verantwortung übernehmen, Initiative ergreifen und Lösungen für bestehende Problemfelder suchen. Dabei merken die Jugendlichen, dass sie etwas bewirken können. Als Lehrkräfte sehen wir uns in der Rolle der Lernbegleitung, wenn die Jugendlichen zukunftsmutig eigene Ideen in die Tat umsetzen. In einer sich schnell wandelnden Welt und in Zeiten der Multikrise ist das wichtiger denn je. Die Realschule Eberbach hat dem innovativen Lernformat Räume geöffnet, um den Herausforderungen der Gegenwart gerecht zu werden.

Menschen und Tieren helfen, Rassismus bekämpfen, Umwelt schonen
Ganz konkret haben die Projektgruppen Großes vor – und schon manches davon umgesetzt. Einmal im Monat für Menschen in schwierigen Lebenslagen ein kostenloses Drei-Gänge-Menü auf die Beine stellen, durch öffentliche Wasserspender allen rund um die Uhr Zugang zu kostenlosem Trinkwasser in der Eberbacher Innenstadt verhelfen, alten Menschen Gesellschaft leisten, sich für beeinträchtigte Kinder einsetzen, Wildvögel retten und Artenvielfalt fördern, ein Fußballturnier gegen Rassismus organisieren und einen Dorfladen im kleinen Schollbrunn eröffnen – die Projekte sind vielfältig.
Partnerschaft mit der Firma GELITA AG
Dabei bekommt die Klasse 8b Unterstützung von der Firma GELITA AG, die diese Innovationkraft und das Engagement der Klasse im Rahmen einer Bildungspartnerschaft unterstützt. GELITA produziert in Eberbach insbesondere Gelatine in Pharma- und Lebensmittelqualität sowie Kollagenpeptide und gehört in diesem Sektor weltweit zu den führenden Unternehmen. Die Partnerschaft mit der GELITA AG eröffnet viele neue Perspektiven und Chancen, die Ideen der Jugendlichen für eine nachhaltige Zukunft umzusetzen. Sie ermöglicht es ihnen zum Beispiel, mit Expertinnen und Experten zusammenzuarbeiten oder auch mit den Auszubildenden von GELITA Projekte zu verwirklichen.
Ausgezeichnete Projekte
Einige der Projekte sind bereits prämiert worden. So gehörten die Gruppen „Team für Tiere“, „12 Monate – 12 Wunder“, „Kochen für ein Lächeln“, „Kick out racism“ und „Schollis Dorfladen“ beim bundesweiten FREI DAY Projektbooster 2025 zu den 18 Gewinnerteams. Sie erhielten dank der Unterstützung des Buchhandlungsunternehmens Thalia beachtliche Fördersummen, um ihre Projekte umzusetzen. So konnte zum Beispiel die Gruppe „Kick out racism“ für ihr Fußballturnier gegen Rassismus eigens dafür designte Fair-Trade-Bälle anschaffen, einen Wanderpokal für die Gewinner kaufen und Medaillen an alle Spielerinnen und Spieler ausgeben, die am Turnier teilnahmen. Das Turnier hatte in der internationalen Woche gegen Rassismus stattgefunden.
Unternehmerisches Projekt: „Schollis Dorfladen“
Die Gründung von „Schollis Dorfladen“, organisiert von den Jugendlichen, der regelmäßig frische Lebensmittel anbietet und zu einem Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft wurde, führte dazu, dass die Realschule Eberbach mit dem Siegel „Wirtschaft praktisch erleben – Aktive Schule“ ausgezeichnet wurde. Mit diesem Siegel würdigt „Gründung in school“, ein vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) unterstützter Initiativkreis, Schulen, die wirtschaftliche Bildung und unternehmerisches Handeln nachhaltig im Schulalltag verankern. Über dieses Projekt werden wir hier im campusblog noch ausführlicher berichten.
Die Dreizehn- und Vierzehnjährigen selbst sind diejenigen, die durch ihre Initiativen die Welt um sie herum ein kleines Stückchen besser machen wollen. Es geht nicht darum, die 17 Ziele ins Heft zu schreiben und anschließend für eine Klassenarbeit auswendig zu lernen – nein, es geht vielmehr darum, durch sinnstiftendes Engagement für eine bessere Zukunft das Heft des Handelns selbst in die Hand zu nehmen. Nicht nur reden, sondern machen!

Autor:innen: Christina Frischholz, Alumna der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, und Martin Kohler sind Lehrkräfte an der Realschule Eberbach.


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