Wie ein Auslandssemester mein Leben veränderte

Zu sehen ist eine zehnköpfige Alumnigruppe vor einem Museum in Chile

Katherine González Moncada aus Kolumbien erzählt, wie ein Jahr an der PH Heidelberg ihr gesamtes Leben verändert hat. Und wie sie sich heute ehrenamtlich auf internationaler Ebene für Alumniarbeit einsetzt.

Schwester Sara Sierra Jaramillo hatte einen geschlossenen Briefumschlag in den Händen. Wer würde das Baden-Württemberg-STIPENDIUM für das akademische Jahr 2004/2005 erhalten? Ich kann mich sehr gut daran erinnern, wie angespannt ich war. Wir waren im Haus des Ordens der Salesianerinnen im kolumbianischen Copacabana in der Nähe der Metropole Medellín zusammengekommen, wo die Schulleitung uns die Entscheidung mitteilen würde. Es gab vier dieser Stipendien im Programm der Baden-Württemberg Stiftung; wir aber waren sechs Bewerberinnen. Dann las Sara Sierra Jaramillo die Namen vor – und meiner war dabei! Ich hatte das Stipendium bekommen. Damals war ich mir nicht bewusst darüber gewesen, wie dieser Austausch meinen weiteren Werdegang beeinflussen würde.

Mit dem Baden-Württemberg-Stipendium an die PH

Das Stipendium-Jahr an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg war ereignisreich und viel zu schnell vorbei. Die Professor:innen Manuela Welzel-Breuer und Hartwig Weber sowie Auslandsamtsleiterin Henrike Schön sorgten dafür, dass unser Aufenthalt unvergesslich wurde. Ich hatte Lust, vieles zu entdecken, gleichermaßen im akademischen wie im persönlichen Bereich. Wir unternahmen viel und besuchten sogar das Europäische Parlament in Strasburg. Was für ein Ereignis das für mich war! Von Anfang an war ich offen für neue Erfahrungen, und meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Diese Neugier trage ich bis heute bei mir.

Mitarbeiterin im Akademischen Auslandsamt

Nach dem Auslandsjahr ging ich nach Medellín in Kolumbien zurück, wo ich an der Universidad de Antioquia mein Diplomstudium abgeschlossen und mich auf mein Masterstudium an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg vorbereitet habe. Am 6. Oktober 2009 war ich wieder zurück in Deutschland! Ich habe mich an der PH eingeschrieben und die Chance ergriffen, im Akademischen Auslandsamt als wissenschaftliche Hilfskraft vier Jahre tätig zu sein. Ich war für die Betreuung internationaler Studierender sowie die Beratung zu verschiedenen Förderprogrammen zuständig.

In dieser Zeit erfuhr ich auch vom „Verein der Stipendiaten und Freunde des Baden-Württemberg STIPENDIUMs“, ein Zusammenschluss von aktuellen und ehemaligen Stipendiat:innen und Förderern des Baden-Württemberg-STIPENDIUMs. Er wurde 2003 mit dem Ziel gegründet, das internationale Netzwerk aller, die mit dem Baden-Württemberg-STIPENDIUM verbunden sind, zu fördern und das Stipendium in Wirtschaft und Gesellschaft präsenter zu machen. Der Verein fühlt sich den Idealen von Bildung und Völkerverständigung verpflichtet. Die „Regional Chapters (RC)“ sind die Alumninetzwerke des Programmes. Seit 2021 bin ich Mitglied im Vorstand des Vereins und Koordinatorin des RC Colombia.

Zu sehen ist eine Alumni-Gruppe, die ein Selfie macht, in Medellin
Alumni-Treffen in Medellin 2017, Foto: privat

Internationale Alumni-Netzwerke aufbauen

2016 habe ich habe Juan Moreno kontaktiert, der ein Willkommenstreffen für deutsche Stipendiat:innen in Bogotá organisierte. Ich habe ihm vorgeschlagen, zusammen ein erstes nationales Treffen zu veranstalten. Von der Idee war er begeistert, sodass wir gemeinsam mit Sebastian Aguirre die erste nationale Alumni-Konferenz im Januar 2017 in Medellín auf die Beine gestellt haben.

Neben dem Austausch über zahlreiche Erfahrungen während des Deutschlandaufenthaltes sprachen wir über unsere Ziele mit dem RC Colombia: Wir waren uns einig, dass wir sowohl das Alumninetzwerk als auch das Land Baden-Württemberg auf nationaler Ebene bekannter machen wollten. Dazu wollten wir die kulturellen Bindungen intensivieren und Veranstaltungen mit akademischem Profil organisieren.  

Und das ist uns bei der zweiten nationalen Konferenz 2020 in der Hauptstadt Bogotá auch gelungen! Zwei interessante Workshops, der eine über die assertive Kommunikation mit Vanessa Herrera und der andere über Erinnerungskultur, Identität und das Kino mit Dr. Wolfgang Fuhrmann, haben unser Treffen bereichert.

Zu sehen ist eine Alumni-Gruppe mit 22 Personen vor Hochhäusern in Bogota, Kolumbien
Alumni-Gruppe in Bogota, Foto: privat

Pandemiezeit mit Onlineformaten überbrücken

In der Pandemiezeit 2020 und 2021 war mein Anliegen, das RC zusammenzuhalten und das Potenzial der Alumni auszuschöpfen. Aus diesem Grund schlug ich vor, eine Webinarreihe zu unterschiedlichen Themen im Onlineformat abzuhalten. Unter anderem wurden Aspekte von Branding, Innovation und Resilienz behandelt. Die Alumni der Regional Chapter Colombia und Mexiko führten die Vorträge selbst durch.

2021 konnten wir, 15 Alumni aus Medellín, Cali und Bogotá, uns bei unserer dritten nationalen Konferenz beim internationalen Meeting der Regional Chapters in Cartagena de Indias in Präsenz treffen. Kurz davor begegnete ich Alumni in Lima, um das erste Treffen des RC Peru zu organisieren.

Zu sehen ist eine neunköpfige Alumni-Gruppe vor einer bemalten Wand in Peru
Regional Chapter Peru 2021, Foto: privat

 2022 fand die vierte nationale Konferenz des RC Colombia im Kaffeedreieck statt, einem bekannten Kaffeeanbaugebiet Kolumbiens. Spannend war hier das Format „TED-Talks“: Jeder Teilnehmende hatte 13 Minuten Zeit, um einen Vortrag über ein ihn interessierendes Thema zu halten. Im selben Jahr flog ich nach Santiago de Chile, um das Alumni-Netzwerk in Chile zu reaktivieren. Wir besuchten gemeinsam das „Museo de la Memoria y los Derechos Humanos“, also das Museum der Erinnerung und der Menschenrechte, und verbrachten einen wunderschönen Abend. Einige der Alumni wohnten außerhalb Santiago und reisten extra in die Hauptstadt, um am Treffen teilzunehmen.

Treffen in Kuba und Venezuela

Im Rahmen meiner ehrenamtlichen Arbeit habe ich darüber hinaus 2023 kleinere Treffen in Havanna, der Hauptstadt Kubas, und in Caracas in Venezuela organisiert. Die Alumni haben ihren Aufenthalt an der Universität Heidelberg verbracht, um an ihren Doktorarbeiten zu schreiben. Sie sind an einer Mitwirkung im Alumninetzwerk sehr interessiert. Die Kontakte und der Austausch innerhalb der unterschiedlichen Regional Chapters sind großartig und bereichernd, wie die unterschiedlichen Treffen gezeigt haben.

Zu sehen ist einen sechsköpfige Alumni-Gruppe in Kuba
Netzwerktreffen Kuba 2023, Foto: privat

In diesem Jahr habe ich vor, mit dem Stipendiat:innen in Deutschland etwas zu unternehmen. Ich danke dem Verein der Stipendiaten und Freunde des Baden-Württemberg-STIPENDIUMs e.V. für die ideelle und finanzielle Unterstützung bei diesem Vorhaben!

Karriere jenseits des Lehrkräfteberufs

„In dir muss brennen, was du in anderen entfachen willst.“ Ich bin der festen Überzeugung, dass dieser Leitspruch richtig ist. Er kennzeichnet deshalb mein ehrenamtliches Engagement für die Regional Chapters. Und auch meine aktuelle berufliche Tätigkeit: Ich arbeite als Leiterin des „Welcome Center Nordschwarzwald“ der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald. Ich bin hier für die Beratung von internationalen Fachkräften und regionalen Unternehmen zu Themen der Fachkräftesicherung zuständig. Dazu gehört auch die Organisation von Veranstaltungen sowohl in Präsenz als auch in Onlineformaten. Das Studium an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg eröffnet viele berufliche Perspektiven, weit über den als Lehrkraft im Schulsystem hinaus. Mein Weg veranschaulicht dies sinnbildlich.

Zu sehen ist Katherine Gonzalez Moncada
Katherine González Moncada, Foto: privat

Katherine González Moncada ist Alumna der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, Organisatorin von internationalen Alumni-Netzwerken und Leiterin des IHK-Nordschwarzwald-Welcome Centers.

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