Montagabend in der Zeppelinstraße 1: In der ZEP, dem studentischen Freiraum der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, wird seit Jahren gemeinsam gekocht, gelacht und gelebt. „Sweet Home” heißt das Projekt – ein interkultureller Kochabend, offen für alle, die Lust auf Begegnung haben. Ich habe mit Abu gesprochen, der Sweet Home über viele Jahre hinweg mit aufgebaut und geprägt hat.
Ein Projekt mit Geschichte
Die Anfänge von Sweet Home reichen bis in die Mitte der 2010er Jahre zurück. Damals lebten in einer städtischen Unterkunft viele Geflüchtete – und in der Nachbarschaft auch Studierende der PH. Aus ersten Begegnungen entstand die Idee, Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenzubringen. Eine Studentin lud zu Musik- und Sprachabenden in die ZEP ein. Diese wurden bald zu einem festen wöchentlichen Treffpunkt.
Abu erzählt, wie er kurz nach seiner Ankunft von einem Freund dorthin geschickt wurde: „Ich konnte kaum Deutsch, aber ich habe mich einfach dazugesetzt, mitgekocht und mit den anderen gesprochen. So habe ich meine ersten Kontakte geknüpft.“ Die Offenheit, die er dort erlebt hat, war prägend: ein Raum zum Lernen, Sprechen und Ankommen, ganz ohne Druck.
Wie aus einem Treffpunkt ein Projekt wurde
Was mit Tee, Musik und Gesprächen begann, entwickelte sich weiter. Ende 2016 entstand eine kleine Kochgruppe, in der Studierende und Geflüchtete regelmäßig zusammenkamen. Gekocht wurde oft mit Lebensmitteln von Foodsharing, gemeinsam geplant und gegessen. Sweet Home war kein offizielles Programm, eher eine Haltung: „Es war ein Ort ohne Bewertung, ohne Rassismus. Ich habe mich dort einfach wohlgefühlt“, sagt Abu.




2018 übernahm er die Organisation. Viele der ursprünglichen Mitstreiter:innen hatten Heidelberg inzwischen verlassen. Doch das Projekt blieb – getragen von neuen Gesichtern, mit frischem Elan.
Krise, Sichtbarkeit und neue Wege
Mit der Pandemie kam der Bruch: Die ZEP musste schließen, Treffen waren kaum noch möglich. Abu versuchte, Sweet Home an anderen Orten weiterzuführen – mal im Café, mal im Mark-Twain-Village. „Aber es war schwer – ich stand oft allein in der Küche.“ Trotzdem gab er nicht auf.
Gemeinsam mit einer Studentin der PH startete er einen Social-Media-Auftritt, gestaltete Flyer und machte das Projekt sichtbarer. Heute gibt es eine feste Gruppe, die das Projekt trägt. Abu selbst ist inzwischen mehr im Hintergrund aktiv: „Ich bin stolz, dass es auch ohne mich funktioniert. Sweet Home ist ein fester Begriff geworden. Manche kommen sogar aus Mannheim oder Karlsruhe.“
Mehr als Kochen
Auch wenn das Format sich verändert hat – der Kern ist geblieben: Ein Raum, in dem Menschen sich begegnen können. „Integration passiert nicht in Sprachkursen allein. Sie passiert, wenn man gemeinsam kocht, lacht, sich zuhört“, sagt Abu. Für viele, die dabei waren, war Sweet Home mehr als ein Projekt, sondern ein Ort, der trägt.
Besonders heute, wo viele Geflüchtete außerhalb Heidelbergs untergebracht sind und Sprachbarrieren hoch bleiben, braucht es solche Orte – niedrigschwellig, offen, solidarisch.
Mitmachen? Jederzeit. Sweet Home lebt davon, dass Menschen mitmachen. Wer Lust hat zu kochen, mitanzupacken oder einfach nur vorbeizukommen, ist herzlich eingeladen. Auch Studierende sind willkommen – gerade, weil in der Hektik des Studienalltags solche Begegnungen oft zu kurz kommen. Die Gruppe trifft sich montags ab 18 Uhr in der ZEP (Zeppelinstraße 1).
Vorkenntnisse? Nicht nötig. Neugier, Offenheit und Appetit reichen völlig.
Autor: Moritz Janke studiert Sonderpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und ist studentische Hilfskraft in der Pressestelle.


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