Stellt euch einen Campus vor, der zum Verweilen, Lernen und Austauschen einlädt. Mit grünen Flächen, die Schatten spenden und (Stark-) Regen aufnehmen. Mit Räumen, die ohne hohen Energieverbrauch angenehm temperiert sind. Mit gesunder, regionaler Verpflegung – ohne Tierleid. Mit sauberer Luft, wenn wir entspannt mit dem Rad oder den Öffis anreisen. Und mit einem wertschätzenden Miteinander, das Lernen und Leben verbindet.
Ich sage nicht, dass es das alles an unserer PHHD nicht gibt. Ich sage auch nicht, dass genau das die PHHD der Zukunft ist. Ich sage: Wir haben es gemeinsam in der Hand, wie unsere Hochschule zukunftsfähig wird. Als neuer Klimaschutzmanager der Hochschule steht genau das auf meiner Agenda.
Die Landesvorgabe lautet: Klimaneutralität bis 2030. Die PHHD möchte dabei eine Vorreiterrolle einnehmen. So steht es auch in der jüngst verabschiedeten B:NE-Strategie der Hochschule, über die ihr in der kommenden Zeit mehr erfahren werdet. Vorweg: Eines der fünf Handlungsfelder unserer Strategie ist der Hochschulbetrieb. Lasst mich euch mitnehmen, was Klimaschutz im Alltag einer Hochschule bedeutet.
Mein Weg zur Berufung
Gegen Ende meines Masterstudiums im Wirtschaftsingenieurwesen, nach mehreren Stationen in der Industrie, wo ich während Praktika und Abschlussarbeiten tätig war, stellte ich mir immer wieder die Frage: Wo kann ich wirklich etwas bewirken? Damals lebte ich bereits in Lissabon. Aus einem anfänglichen Besuch wurden fünf Jahre. Was ich zu Beginn meiner Suche nicht ahnte: Ich würde später das wohl nachhaltigste Brot der Region backen und vertreiben.
Meine Sinnsuche führte mich zur menschengemachten Klimaerwärmung. Ich recherchierte intensiv und erlebte die Folgen in Portugal hautnah: Heftige Regenfälle setzten Stadtteile unter Wasser, vernichteten (Getreide-) Ernten und Dürreperioden und Hitzewellen verursachten großflächige (Wald-) Brände.
Ich erkannte, wie dringend wir handeln müssen. Ausgangspunkt war mein überraschender CO2-Fußabdruck von 12 Tonnen pro Jahr nach dem CO2-Rechners des Umweltbundesamts. Ich begann mein Leben zu verändern – in den Bereichen Ernährung, Mobilität, Wohnen und Konsum. Am Ende stand ich bei etwa 2 Tonnen.

Vom Brot zur Bilanz
Mir wurde schnell bewusst: Nicht jeder Mensch kann oder will seinen Lebensstil allein aufgrund von Zahlen ändern. Deshalb wollte ich eine pragmatische Lösung anbieten, zumindest für den Teilbereich Ernährung. Ich begann, ökologisch „durchkalkuliertes“ Sauerteigbrot zu backen und verkaufte es die letzten fünf Jahre in der Region Lissabon. Ich analysierte die gesamte Lieferkette und arbeitete daran, sie möglichst nachhaltig zu gestalten: Energie- und Wasserverbrauch, Müllaufkommen, Flächennutzung, Zutaten, Transport – alles wurde durchleuchtet.
Kurz nach einem Weihnachtsbesuch in der Heimat 2023 spürte ich den Wunsch, wieder näher bei Familie und Freunden in der Region Heidelberg zu sein. Ich folgte meinem Herzen zurück nach Deutschland.
Ankommen an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg
Das Thema Nachhaltigkeit war für mich nie vom Tisch. Ich suchte erneut nach einem passenden Beruf – und fand ihn: Klimaschutzmanager an der PH Heidelberg. Genau das, was ich während meiner Sinnsuche nach dem Studium gesucht, aber damals nicht gefunden hatte.
Ich bin seit Mai hier am Heidelberger BNE-Zentrum angesiedelt und wurde, insbesondere vom Team, aber auch von vielen anderen, mit offenen Armen empfangen. Durch meine Tätigkeit lerne ich regelmäßig viele großartige Menschen kennen und spüre, wie meine Motivation durch die gute Atmosphäre noch weiterwächst.
Gemeinsam für eine klimaneutrale Hochschule
Damit das gelingt, braucht es alle: Studierende, Lehrende, Verwaltung, Hochschulleitung, Partnerinstitutionen und Ministerien. Damit ihr euch auf das konzentrieren könnt, was Spaß macht – wie den Austausch und kreative Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen – kümmern das B:NE-Team und ich uns um Organisation und Strategie.
In den kommenden zwei Jahren werden wir Daten sammeln, eine Treibhausgasbilanz erstellen und Szenarien zur Klimaneutralität entwickeln. Gemeinsam mit euch werden wir überlegen, welche Maßnahmen wir angehen wollen und wie wir diese Realität werden lassen, um mit dem Fortschreiten des Klimawandels Schritt zu halten. Außerdem werden wir ein Konzept zur Fortschrittskontrolle und der Verstetigung des Klimaschutzes und der Klimawandelanpassung an der PHHD erarbeiten. Das Ziel ist es in Zukunft, und hoffentlich besser als heute, ein angenehmes Lern- und Arbeitsklima für euch zu schaffen. Soweit die Theorie, und die ist wichtig für ein solides, durchdachtes Fundament, um dem Klimawandel zu begegnen. Im Anschluss daran wird es an die Umsetzung der Maßnahmen gehen.
Dank der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) stehen uns dafür finanzielle Mittel zur Verfügung – unter anderem für meine Stelle und für fachliche Unterstützung von außen, etwa vom renommierten Institut für Energie- und Umweltforschung aus Heidelberg.
Lasst uns loslegen
Die Zukunft kommt nicht irgendwann – sie beginnt jetzt. Lasst sie uns gemeinsam gestalten: mutig, kreativ und verantwortungsvoll.
Fragen, Ideen oder Wünsche? Ich freue mich über eure Nachricht oder euren Besuch am Heidelberger BNE-Zentrum im Czernyring.
Nationale Klimaschutzinitiative
Mit der Nationalen Klimaschutzinitiative initiiert und fördert die Bundesregierung seit 2008 zahlreiche Projekte, die einen Beitrag zur Senkung der Treibhausgasemissionen leisten. Ihre Programme und Projekte decken ein breites Spektrum an Klimaschutzaktivitäten ab: Von der Entwicklung langfristiger Strategien bis hin zu konkreten Hilfestellungen und investiven Fördermaßnahmen. Diese Vielfalt ist Garant für gute Ideen. Die Nationale Klimaschutzinitiative trägt zu einer Verankerung des Klimaschutzes vor Ort bei. Von ihr profitieren Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wie Unternehmen, Kommunen oder Bildungseinrichtungen.
Autor: Johannes Rüd ist seit Mai 2025 Klimaschutzmanager an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg.


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