Als Lehrerin an den St. Raphael Schulen und Absolventin der Zusatzqualifikation „Nachhaltigkeit“ freue ich mich jedes Mal, wenn nachhaltige Bildung nicht nur theoretisch gedacht, sondern praktisch erlebt wird.
Die Veranstaltung Hands-on Nachhaltigkeit, die im Sommersemester 2025 an der Heidelberg School of Education unter Leitung von Dr. Nicole Aeschbach angeboten wurde und die ich durchgeführt habe, legt den Fokus darauf, sichtbar zu machen, welche kleinen, aber wirkungsvollen Nachhaltigkeitsinitiativen bereits an Schulen existieren. Dabei geht es auch darum, die praktischen Herausforderungen bei der Umsetzung zu erkennen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Statt Nachhaltigkeit ausschließlich theoretisch zu denken, richtet die Veranstaltung den Blick bewusst auf bestehende Ansätze – selbst wenn sie nur in kleinen, kontinuierlichen Schritten erfolgen. Gerade diesen Entwicklungen mehr Aufmerksamkeit zu schenken, ist ein wichtiger Beitrag zu einer realistischen und wirksamen Bildung für nachhaltige Entwicklung.


Selbstwirksamkeit erleben
Mit der Unterstützung der Heidelberg School of Education (HSE) konnte daraus ein noch größeres Vorhaben werden: Lehramtsstudierende haben im Rahmen eines Workshops gemeinsam mit meinen Schüler:innen ein Praxisprojekt entwickelt – und zwar konkret einen Kleidertauschmarkt. Dazu gehörte auch die Erarbeitung von Hintergrundwissen zum Thema Kleidung, zu Produktion und Verwertung. Ziel war, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern Handlungsbereitschaft und Selbstwirksamkeit zu stärken. Die Studierenden konnten praxisnahe Lehrerfahrungen sammeln, und die Schüler:innen merkten: Meine Meinung zählt. Ich kann etwas bewegen.
Bei der Auftaktveranstaltung des Seminars haben die Schüler:innen und ich den Studierenden einen Einblick in den Schulalltag gegeben. Die Teilnehmenden lernten verschiedene AG-Formate mit einem Fokus auf Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) kennen.
Als konkretes Praxisprojekt haben wir dann gemeinsam mit den Studierenden, den Schüler:innen und anderen engagierten Lehrkräften die Kleidertauschbörse an der Schule entwickelt, die im Juni auf dem Schulhof stattgefunden hat – und auf viel Resonanz gestoßen ist. Das Projekt wurde sogar ausgeweitet auf den zeitgleichen Verkauf von selbstgemachten Waffeln, was die Aufmerksamkeit der Schüler:innen noch verstärkt hat.

Neue Blickwinkel
Die Zusammenarbeit mit der HSE und insbesondere mit Dr. Nicole Aeschbach war dabei ein großer Gewinn. Ihre wissenschaftliche Perspektive aus der Lehrerbildung ergänzte sich hervorragend mit unseren schulpraktischen Erfahrungen und eröffnete neue Blickwinkel für eine gelingende Umsetzung von Bildung für nachhaltige Entwicklung.
Der Workshop endete im Juli mit einer gemeinsamen Reflexion an der Universität Heidelberg – doch für uns vor Ort wird das Projekt sicher weiterwirken. Denn wenn Schüler:innen anfangen, im Alltag nachzufragen, woher ihre Kleidung kommt, was mit alten Dingen passiert und was sie selbst verändern können, dann zeigt sich: Nachhaltigkeit beginnt nicht in der Theorie, sondern mit konkretem Tun.


Autorin: Luisa Brass ist Lehrerin an den St. Raphael Schulen Heidelberg und Absolventin der HSE-Zusatzqualifikation „Nachhaltigkeit“


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