Betrifft mich nicht, betrifft mich doch?

Zu sehen ist eine Person auf dem Campus der PHHD, die einen Flyer ins Bild hält.

Rassismus macht krank – und geht auch uns als Hochschule an. Chiara Dold erklärt, warum wir alle uns damit auseinandersetzen sollten und was euch beim Festival contre le racisme (ab 7. Mai) erwartet.

Das Festival contre le racisme steht bevor. Auch in diesem Jahr kommen Studierende, Lehrende und Interessierte in die Hochschule, um sich über Rassismus auszutauschen – über Erfahrungen, Strukturen und Prävention. Gemeinsam mit Benedikt Kletzin und Amelie-Sophie Weick vom Antidiskriminierungsreferat des Studierendenparlaments (StuPa) stecke ich derzeit mitten in den Vorbereitungen. Ich hoffe wieder auf ganz viel Andrang, so wie im letzten Jahr, wenn der große Hauptvortrag in der Aula stattfindet. Am 7. Mai spricht Jeasuthan Nageswaran über “Handlungssicherheit im Klassenzimmer – Rassismuskritik als pädagogische Kernkompetenz”. Im Anschluss finden Workshops statt, u.a. zu Antiziganismus und Selbstreflexion.

Betrifft mich? Ja!

Und vielleicht fragen sich manche von euch beim Lesen: „Ist Rassismuskritik eine pädagogische Kernkompetenz? Ist es wirklich so schlimm? So viel bekomme ich hier im Alltag davon gar nicht mit.“ Die Antwort darauf lautet: Wenn du das denkst, bist du vermutlich nicht von Rassismus betroffen. Wenn du das denkst, hast du vielleicht einen Freundeskreis, in dem keine oder wenige BiPoC sind. Wenn du das denkst, ist dir nicht bewusst, dass Rassismus weit mehr ist als laute Beschimpfungen einer pöbelnden Einzelperson. Wenn du das denkst, bist du privilegiert. Und wer Privilegien hat, hat Verantwortung. Verantwortung, sich zu reflektieren, sich fortzubilden und aktiv gegen Rassismus vorzugehen.

Denn Rassismus durchzieht die gesamte Gesellschaft. Es ist eine gewachsene Machtstruktur, in der Menschen systematisch benachteiligt und ausgegrenzt werden. Und diese Strukturen zeigen sich auch im Bildungssystem – in Kitas, Schulen und, ja, auch in Hochschulen.

Vielleicht habt ihr z.B. schon von der „Max versus Murat“-Untersuchung gehört. Forschende haben herausgefunden, dass Grundschulkinder mit Migrationshintergrund von Lehrkräften bei gleichen Leistungen schlechter benotet werden. Selbst Schulbücher reproduzieren teils rassistische Stereotype, und Kinder mit Migrationshintergrund sind darin weniger repräsentiert oder wenn, dann nur in spezifischen Rollen, z.B. als Geflüchtete und hilfsbedürftige Menschen. Institutioneller Rassismus ist oft schwerer zu erkennen als individuelle Formen wie rassistische Beleidigungen oder Angriffe und verlangt daher andere Wege der Bekämpfung.

Vielleicht denkt ihr beim Lesen „Ja, das habe ich bereits auf dem Schirm“ oder „Puh, so hab ich das noch gar nicht betrachtet“. Egal, an welchem Punkt ihr gerade steht: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt sich aktiv mit Rassismus auseinanderzusetzen. Ihr seid Gestalter:innen der Zukunft. Ihr entscheidet zukünftig, wie Kinder ihren Alltag in Kita und Schule erleben werden. Nutzt diese Chance und macht mit beim Festival contre le racisme vom 7. bis 13. Mai 2026. Kommt und bringt ganz zahlreich all eure Kommiliton:innen mit!

Educate yourself to make a difference!

PS. Ich finde es wichtig, dass ich als Gesundheitsmanagerin den StuPa dabei unterstütze. Nicht nur, weil ich das Thema persönlich für unglaublich wichtig erachte. Sondern auch, weil Rassismus ein ernstzunehmender gesundheitlicher Risikofaktor ist. Diskriminierung fördert nachweislich psychischen Stress, Angststörungen sowie Depressionen und begünstigt langfristig körperliche Erkrankungen.

Er führt zudem zu ungleichen Zugängen zu medizinischer Versorgung, schlechterer Behandlungsqualität und vermeidbaren gesundheitlichen Risiken für betroffene Menschen. Ein gutes Gesundheitsmanagement muss deshalb aktiv gegen Rassismus vorgehen, Chancengleichheit fördern und sich für diskriminierungsfreie Strukturen einsetzen.

Autorin: Chiara Dold organisiert das Gesundheitsmanagement der Hochschule.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner