Betriebsausflug: Freiwillig im Hamsterrad

Zu sehen ist eine Kollegin im so genannten Hamsterrad

Nicht falsch verstehen: Hier das „Hamsterrad“ eine mittelalterliche Tretmühle, die wir beim Betriebsausflug zum Technoseum Mannheim ausprobieren konnten. Forschungskommunikatorin Antje klärt auf.

Im neuen Job ankommen ist komplex. Wie sehen meine Aufgaben aus? Was erwartet mein Umfeld konkret von mir? Und in öffentlichen Verwaltungen: Wie komme ich an meine Büro-Ausstattung? (Vorsicht, Scherz) Wer dann noch Luft und Lust hat, die neuen Kolleg:innen auch persönlich kennenzulernen, sollte Betriebsausflüge nutzen.

Diese Chance habe ich gerne ergriffen: Ein halbes Jahr nach meinem Start in der Kommunikation der PH Heidelberg hatte diese zu einem Ausflug ins Technoseum Mannheim eingeladen. Das große Technikmuseum verspricht eine Zeitreise durch 200 Jahre Technik- und Sozialgeschichte.

Der Ausflug kam für mich zur rechten Zeit: Erste Bekanntschaften hatte ich geschlossen, musste mich also nicht in eine völlig unbekannte Gruppe stürzen. Und gleichzeitig boten die Besichtigung der Ausstellung – auf eigene Faust oder in thematischen Führungen – und diverse Kaffeepausen Gelegenheiten, mit bisher unbekannten Kolleg:innen ins Gespräch zu kommen. Das begann schon auf dem Weg in der Straßenbahn, wo man ungezwungen plauderte. So entstanden Gespräche mit Vorgesetzen und anderen Abteilungen, die sich im Arbeitsalltag wohl nie ergeben hätten.

Staunend konnte ich beobachten, dass Kolleg:innen freiwillig ins „Hamsterrad“ stiegen. Mit diesem großen Laufrad wurden im Mittelalter schwere Lasten gestemmt, allerdings in 14-Stunden-Schichten. Spannend war die grandiose Führung zu sozialen Fragen und den Arbeitsbedingungen zu Beginn der Industrialisierung. Kinderarbeit, Weihnachtsschichten und Industriebosse, die Uhren vorstellten, um die Pausen zu verkürzen – damals wurde keine Scheußlichkeit ausgelassen.

In Deutschland mögen solche Arbeitsbedingungen Geschichte sein. Weltweit leider noch nicht, das sollten wir nicht vergessen. Und was den Umgang mit Frauenarbeit betrifft, kann Deutschland sich leider auch heute an die eigene Nase fassen. Schon im Mittelalter wurden Frauen aus Berufen wie dem Handwerk verdrängt, wenn die Arbeit knapp wurde. Oder benutzt, um Geld einzusparen: Das Sekretariat war eine gut bezahlte Männerarbeit, bis man sich in der Neuzeit beschloss, hier weniger zu zahlen. Die Arbeit wurde „herabqualifiziert“ und stattdessen Frauen eingestellt.

Kommt Ihnen irgendwie bekannt vor? Auch heute sind „typische Frauendomänen“ und gerade die „Care-Berufe“ weiterhin deutlich schlechter bezahlt, beispielsweise Erzieher:innen oder Pflegeberufe. Ich werde nicht aufhören, mich darüber aufzuregen. Und ich wünsche mir dringend, dass die nächsten Generationen sich das nicht gefallen lassen – bis auch solche Ungleichbehandlungen Museumsgeschichte sind!

Autorin: Antje Karbe ist Forschungskommunikatorin in der Abteilung Presse & Kommunikation

Fotos: Hohenester/PHHD

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