Die Pädagogische Hochschule Heidelberg unterhält seit vielen Jahren eine Partnerschaft mit der Escuela Normal Superior María Auxiliadora de Copacabana (ENSMA) in Kolumbien. Ich erhielt im März 2025 die Einladung der ENSMA und seitens der PH Heidelberg die Möglichkeit, an der Hochschule sowie Schule in Copacabana eine Fortbildung in „Deutsch als Fremdsprache“ für die dortigen Deutschlehrkräfte durchzuführen. An der ENSMA werden Grundschullehrer:innen ausbildet und Deutsch wird als Unterrichtsfach angeboten. Ich war sehr gespannt auf Land und Leute! Und freute mich auch sehr, Isabella und Felipe wiederzusehen, zwei Studierende der ENSMA, die im vergangenen Semester an der PH Heidelberg mit einem Baden-Württemberg Stipendium studiert und auch meinen Deutschkurs für internationale Studierende besucht hatten.
Wohnen und Leben im Kloster der Salesianerinnen
Nach einer langen Reisezeit kam ich am 7. März in Medellín an. Meinen Anschlussflug von Bogotá nach Medellín hatte ich nur durch einen langen und schnellen Sprint durch den Flughafen erreicht, da – wie so oft bei meinen Reisen – sämtliche vorherigen Verkehrsmittel ausgefallen oder verspätet waren. In Medellín wurde ich von der unglaublich hilfsbereiten Deutschkoordinatorin der ENSMA Luisa Fernanda Builes P., die auch vor Jahren ein Semester an der PH Heidelberg studiert hat, und ihrem Mann mit dem Auto abgeholt. Dann ging es, begleitet von schöner kolumbianischer Musik, in Richtung Copacabana zu dem Kloster der Schwestern/Hermanas der Salesianerinnen, wo ich in der Woche meines Aufenthalts untergebracht war und sehr herzlich umsorgt wurde.
Als ich spät dort ankam, erwarteten die Rektorin der ENSMA, María Luz Gómez Ortiz, und eine weitere Schwester des Klosters mich mit Essen und Getränken. Ich konnte erst in den kommenden Tagen ermessen, welch Entgegenkommen das Warten zu so später Stunde bedeutete, da das Leben im Kloster schon morgens um fünf Uhr beginnt. Als ich mich in den kommenden Tagen von dem Tagesablauf der Schwestern sehr beeindruckt zeigte, bestätigte mir auch eine der Schwestern lachend: „Sí, somos muy AM – Ja, wir sind wirklich Frühaufsteherinnen“.


Sonntagsausflug mit der Familie
Bevor ich am Montag die ENSMA kennenlernen sollte, lud mich Felipe, mein ehemaliger Student, sonntags mit seiner Familie zu einem Ausflug ein und gaben mir die Möglichkeit, die Umgebung von Copacabana kennenzulernen. Ein Ausflug, den ich nicht vergessen werde, da die Landschaft mit ihren Bergen, Tälern und der variationsreichen Vegetation wirklich beeindruckend ist. Auch die kulinarische Seite sollte an diesem Tag nicht zu kurz kommen, denn Essen spielt in Kolumbien eine große Rolle! So wurden viele Stopps eingelegt, um mich mit süßen und herzhaften Köstlichkeiten Kolumbiens vertraut zu machen.
Am Montag ging es dann zur ENSMA, um meine Tätigkeit vor Ort zu beginnen. Früh morgens machte ich mich mit Schwester Dora auf den Weg in die Schule, die auf einer Anhöhe liegt – und wie Schwester Dora bereits vorher angekündigt hatte, mussten wir nicht lange zu Fuß gehen, da bald ein Wagen stoppte und Eltern uns mitnahmen, die ihre Kinder in die Schule brachten.
In der Schule wurden wir von vielen Schüler:innen begrüßt; die Schwestern und die Lehrkräfte kennen alle Schüler:innen mit Namen und die Atmosphäre ist sehr vertraut. Ich wurde dem (Deutsch)-Kollegium vorgestellt, das mich herzlich aufnahm, und machte einen Rundgang über das Gelände mit Schwester Dora.

Deutschkenntnisse testen und ein Geheimnis hüten
Luisa hatte für die gesamte Woche einen Kursplan für mich erstellt, so dass ich mit den Deutschlehrer:innen in alle Klassen mitgehen, den Unterricht beobachten und auch selbst unterrichten konnte. Die Schüler:innen hatten großen Spaß daran, ihre Deutschkenntnisse anzuwenden und mir Fragen zu stellen, zum Beispiel nach meinem Alter – hier haben sie jetzt das deutsche Wort für Secreto „Geheimnis“ gelernt. Kurseinheiten zum Thema der Präpositionen und auch das Osterfest in Deutschland mit Bräuchen wie Eiersuchen stießen auf großes Interesse und auch Erstaunen.
Die Nachmittage waren für die Fortbildung mit den Deutschlehrenden vorgesehen: Nach einer Präsentation der PH Heidelberg gab ich ihnen Feedback zu den Unterrichtsstunden und bearbeitete gemeinsam relevante Themen zum Unterricht Deutsch als Fremdsprache. Neben dem Thema „Unterrichten in großen Klassen mit nur geringer Stundenzeit im Fach Deutsch“ fand besonders das Konzept des „Flipped/Inverted Classroom“ bei den Lehrkräften großen Anklang.
Projekttag zur Mathematik, der Kunst und der Kreativität
Ich hatte großes Glück, da der „Día de las Matemáticas, el Arte y la Creatividad“, der einmal pro Jahr an der ENSMA ausgerichtet wird und Projektarbeiten der Schüler:innen vorstellt, in die Zeit meiner Anwesenheit fiel. Ich war wirklich beeindruckt vom Engagement und der Kreativität der Schüler:innen: Zu Themen wie dem bekannten kolumbianischen Maler und Bildhauer Fernando Botero oder die Mathematik in den Werken von Johann Sebastian Bach. Natürlich durfte auch der berühmte kolumbianische Schriftsteller Gabriel García Márquez nicht fehlen.
Die Woche in Copacabana und an der ENSMA verging (leider) wie im Flug und alle bereiteten mir eine tolle Zeit mit Ausflügen, Einladungen und einem unvergesslich fröhlichen Spieleabend mit den Schwestern. Als die Schwestern mitbekommen hatten, dass ich eine begeisterte Joggerin bin, wurde mir das Laufband im Kloster installiert. Bevor ich mich zum Sport umgezogen hatte, trainierten alle nacheinander in ihren Kutten auf dem Laufband und unterstützten mein Training mit Getränken.

Ertragreiche und wundervolle Zeit als „Nicht-Kolumbianerin“
An meinem letzten Abend in Copacabana traf ich mich mit Isabella und Felipe zum Abendessen in einem Restaurant. Felipe, der gerade seine neue Stelle als Deutschlehrer in der Deutschen Schule in Medellín angetreten hatte, bestand darauf, mich von seinem ersten Gehalt zum Essen einzuladen. Ich muss nicht beschreiben, wie sehr mich dieser Moment berührt hat.
In Copacabana gibt es (fast) keine Touristen und so war es eine interessante und schöne Erfahrung, auf der Straße und in Cafés die einzige „Nicht-Kolumbianerin“ zu sein.
Am 15. März 2025 endete mein wundervoller, ertragreicher und mit unglaublicher Gastfreundschaft erfüllter Aufenthalt in Copacabana. Ich bedanke mich sehr herzlich bei der Leiterin des Akademischen Auslandsamtes, Akademische Direktorin Henrike Schön, und bei der Hochschulleitung der Pädagogischen Hochschule für die Unterstützung bei der Gastdozentur sowie die Bereitstellung der Mittel für diese exzellente Möglichkeit des Austausches und der Lehrtätigkeit im Ausland.
„SI TU VAS A LIMITAR TUS SUEÑOS AL MENOS QUE TIENDAN AL INFINITO“
Wenn du schon deine Träume begrenzt, dann lass sie wenigstens bis ins Unendliche gehen“
(ENSMA: „Día de las Matemáticas, el Arte y la Creatividad“)

Zur Autorin: Anja Bast-Schneider ist Geschäftsführerin des Center for International Teacher Education/CITE und Dozentin an der Hochschule.


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